

Als berufstätige Mutter – in einem anspruchsvollen Beruf und mit zwei sehr lebhaften Kindern – sind drei Stunden Freizeit für mich wirklich der Hammer. So viel Zeit!
Letzte Woche, am Montag, ist es passiert. Die Kinder sollten am Nachmittag aus dem Haus und ich konnte etwas für mich machen. Mein Verstand malte mir sofort zahlreiche wunderschöne Szenarien aus. Aber leider…
Ich verrate dir etwas.
Mein altes Ich dachte früher:
Cool. Ich habe mehr Zeit. Ich räume schnell auf, mache die Wäsche, sortiere die Kleider durch, erledige Haushaltssachen, die lange anstehen – und dann erhole ich mich.
Heute bin ich schlauer.
Mir war klar: Diese Zeit wird nur für mich sein.
Ich wollte in unser Schwimmbad gehen, wo es einmal in der Woche am Nachmittag eine Frauensauna gibt. Eigentlich bin ich kein Saunagänger, aber die Umgebung sieht so edel und einladend aus: schöne holzverkleidete Wände, bequeme Sessel mit weißen Bezügen, ein Holzofen, eine kleine Grünfläche mit Liegen und weißen Zelten. Und eine gemütliche Ecke, in der man eine Kleinigkeit essen oder Kaffee trinken kann.
Alles ruhig. Alles friedlich.
Und – wichtig – ohne dass die Wäscheberge zu Hause aus der Ecke rufen:
„Heeeey du, du wolltest doch…“

Kennst du das?
Wenn man plötzlich frei hat, kommen einem so viele Szenarien in den Kopf:
• einen Kaffee im Lieblingscafé trinken
• Freundinnen treffen, die man ewig nicht gesehen hat
• ein spannendes Buch lesen
• ins Schwimmbad gehen
• oder, wie in meinem Fall, einen neuen Blogartikel vom Herzen heraus schreiben
Nicht viel früher, aber mein Verstand reagierte sofort. Durch die neue Zeitangabe kam so ein Druck, dass ich mich komplett verloren habe.
Traurigkeit.
Enttäuschung.
Überforderung.
Viel weniger Zeit.
Im Kopf rechnete ich sofort:
Umziehen, hinfahren, abholen – lohnt es sich überhaupt noch?
Ich rutschte in den Freizeit-Stress.
Plötzlich wusste ich gar nicht mehr, was ich machen sollte.
Sollte ich in die Sauna gehen und die schöne grüne Landschaft genießen?
Oder ist es zu knapp?
20 Euro Eintritt – lohnt sich das?
Oder lieber gemütlich in die Stadt, etwas bummeln, Kaffee trinken und meinen Blogartikel schreiben?
Ich war gestresst.
Die Gedanken hörten auch in der Sauna nicht auf. Mein Verstand zweifelte weiter.
Wieder Freizeit-Stress.
Zu wenig Zeit – und trotzdem alles mitnehmen wollen.
Endlich leben und genießen wollen – und gleichzeitig wissen, dass es nicht geht.
Da kam der Satz in mir hoch:
„Wer steuert hier eigentlich?“

Genauso wie wir unseren Alltag mit dem Verstand strukturieren – Aufgaben, Termine, To-dos – versucht unser Verstand auch die Freizeit zu organisieren:
effektiv, sinnvoll, vernünftig, optimal.
Erholung muss geleistet werden.
Erholung muss sich lohnen.
Erholung muss perfekt sein.
Es ist wie bei vielen Menschen, die aus dem Urlaub enttäuscht zurückkommen, weil sie nicht so erholt sind, wie sie sein wollten.
Wenn die eine Stunde Freizeit nicht optimal genutzt wurde, lief etwas schief.
Wenn wir danach nicht erholt sind, haben wir versagt.
Das ist nur die Wahrheit des Verstandes.
Der einzige Weg raus: Nicht der Verstand entscheidet
Der einzige Weg ist die Entscheidung, dass unser Leben nicht vom Verstand, sondern vom Gefühl (Herz, Seele … nenne es wie du willst) geleitet wird.
In diesem Moment erleben wir das Sein, die innere Ruhe – und keinen Druck, irgendetwas machen zu müssen.
Dann entscheiden wir uns wirklich für uns.
Nicht für Effektivität.
Nicht für Vernunft.
Nur dafür, was sich gut anfühlt.
Egal ob Schwimmbad, Sauna, Yoga oder Lesen – jede bewusste Tätigkeit ist wahre Erholung.

Ich lüfte das Geheimnis:
Ich habe mich für das Sein entschieden.
Für das, was sich in diesem Moment richtig angefühlt hat.
Ich kann es schwer beschreiben. Manche nennen es Meditieren – aber oft ist das nur ein krampfhaftes Sitzen in einer bestimmten Position, während man versucht, an nichts zu denken.
Für mich bedeutete „Sein“:
Im Bett liegen.
Meine Gedanken beobachten.
Wahrnehmen:
Was denke ich? Wie fühlt es sich an?
Zweieinhalb Stunden lang.
Ja – langweilig.
Mach es bitte nicht genau so.
Nimm deine Form des Seins.
