Wenn Kinder ihre Mütter beschimpfen

„Mama, du bist dumm.“

Es war schon vor Jahren, bevor wir mit zwei Jungs gesegnet wurden.

Ein Kollege und seine Frau besuchten uns mit ihrer Tochter. Wir saßen auf der Terrasse und grillten. Die Luft roch nach saftigem Fleisch, der Tisch war voll mit knackigen Salaten. Es herrschte diese südländische Stimmung: entspannt, fröhlich, unbeschwert.

Während die Männer am Grill standen, sagte die Kleine plötzlich:

„Mama, du bist so dumm.“

Ich erinnere mich noch genau an meinen Gedanken:

Das kann doch nicht sein. Wie behandelt sie denn ihre Mutter? Warum sagt die Mutter nichts? Schlecht erzogen das Kind.

Jahre später wurde ich selbst Mutter.

Und irgendwann hörte ich denselben Satz.

Nicht nur diesen.

Worte, die wehtun

Kaum etwas verletzt eine Mutter so sehr wie die Worte des eigenen Kindes.

Vor allem, wenn man sich einst so sehr auf dieses kleine Wesen gefreut hat.

Dann steht da plötzlich ein Kind vor einem und sagt:

„Ich mag dich nicht.“

Von den kleineren Varianten:

  • „Mama, ich mag dich nicht.“
  • „Du bist dumm.“
  • „Du …“

Bis hin zu Dingen, die man einem anderen Erwachsenen niemals sagen würde.

Man kann sich einreden:

Es sind Kinder. Sie meinen das nicht so. Sie sind nur wütend.

Und das stimmt.

Trotzdem tut es weh.

Auf diesen Moment habe ich mich so gefreut.

Kinder wollen manchmal verletzen

Das klingt hart, aber in diesem Moment wollen Kinder oft genau das – sie wollen uns verletzen.

Sie wollen zeigen, wie sie sich fühlen.

Und zwar so deutlich wie möglich.

Kinder sind Meister darin.

Wenn sie wütend sind, suchen sie nach den stärksten Worten, die sie kennen.

Nach dem Wort, von dem sie gelernt haben:

Das darf man nicht sagen.

Und genau dieses Wort landet dann bei Mama.

Nicht, weil Kinder böse sind, weil sie schlecht erzogen sind, weil sie uns nicht respektieren.

Sondern weil sie verzweifelt versuchen zu zeigen:

So schlimm fühlt es sich gerade in mir an.

Je älter die Kinder werden und je größer ihr Umfeld wird, desto bunter wird leider auch ihr Wortschatz.

Ich habe schulpflichtige Kinder.

Manchmal bin ich wirklich überrascht, welche Ausdrücke ihren Weg nach Hause finden.

So reden wir zuhause nicht.

Aber irgendwo haben die Kinder solche Wörter gehört. Und irgendwo haben sie gelernt:

Diese Worte haben Wirkung.

Warum trifft es immer die Mama?

Und doch haben Kinder auf eine seltsame Weise recht.

Mit ihren Worten machen sie ihren Standpunkt klar:

Ich bin wütend.

Ich finde dich gerade schrecklich.

Du sollst merken, wie es mir geht.

Kinder beleidigen oft nicht irgendwelche Menschen.

Sie beleidigen die Menschen, bei denen sie sich sicher fühlen.

Bei denen sie wissen:

Du bleibst trotzdem.

Du bist meine Mama.

Eigentlich steckt darin sogar etwas Gutes.

Das Kind traut sich, dir seine Gefühle zu zeigen.

Es vertraut darauf, dass eure Beziehung das aushält.

Wir alle werden geliebt, wenn wir nett sind.

Aber wer liebt uns, wenn wir nicht einfach sind?

Es ist:

Mama.

Mama kann deine schlechte Stimmung ertragen.

Grenzen sind trotzdem wichtig

Trotzdem bedeutet Verständnis nicht, alles zu erlauben.

Auch Mama darf Grenzen setzen.

Vielleicht muss sie es sogar.

Denn Gefühle dürfen da sein.

Aber nicht jede Art, sie auszudrücken.

Wenn wir Grenzen setzen, zeigen wir nicht nur, wie man mit seiner Mutter spricht.

Wir zeigen Kindern, wie man mit Menschen umgeht.

Wir schützen dabei nicht nur uns selbst.

Wir schützen auch das Kind. Seine Beziehungen in der Zukunft.

Warum es nicht beim ersten Mal klappt

Und dann passiert etwas Frustrierendes.

Man setzt eine Grenze.

Und das Kind macht es wieder.

Man erklärt es.

Und es passiert nochmal.

Man hat das Gefühl, es kommt überhaupt nichts an.

Aber vielleicht erwarten wir manchmal etwas Unrealistisches.

Niemand lernt Vokabeln beim ersten Hören.

Niemand lernt Fahrradfahren beim ersten Versuch.

Warum sollten Kinder soziale Grenzen nach einem einzigen Gespräch verstehen?

Lernen bedeutet Wiederholung. Manchmal auch Konsequenzen.

Nochmal.

Und nochmal.

Und manchmal noch zehnmal.

Hauptsache entspannt bleiben.

Was eigentlich unsere Aufgabe ist

Es ist nicht unsere Aufgabe, die Gefühle oder Reaktionen eines anderen Menschen zu kontrollieren.

Auch nicht die unserer Kinder.

Unsere Aufgabe ist etwas anderes:

Zu sagen, was wir fühlen.

Zu sagen, wo unsere Grenze liegt.

Und diese Grenze immer wieder ruhig zu vertreten.

Eigentlich machen wir damit etwas ganz Ähnliches wie Kinder.

Nur auf eine Art, wie man es machen sollte.

Zum Schluss

Die Liebe oder die Wut eines Kindes verändert unseren Wert als Mutter nicht.

Es sagt nicht, dass wir unser Kind schlecht erzogen haben.

Es zeigt Vertrauen und Liebe.

Manchmal sind wir die beste Mama der Welt.

Manchmal sind wir die schlimmste.

Beides sagt oft mehr über die Gefühle unserer Kindes in diesem Moment aus als über uns.

Und das ist das einzige, was wir über den Satz „Mama, du bist dumm.“ wissen müssen.

Lies mehr in meinem Block, oder mach´ den nächsten Schritt und erfahre, wie ich gelernt habe, die schwierigen Situationen zu meistern.


Anna Hinderer
Mein Name ist Anna Hinderer. Ich bin Mama von zwei Söhnen, Seglerin, aber vor allem bin ich eine Traumjägerin.

Ich schreibe darüber, wie man genau das Leben gestaltet, das man sich schon immer gewünscht hat. Mehr in meinem gratis eBook "Endlich habe ich Zeit" und in meinem eBook "Die Herrin des alltäglichen Wahnsinns." Hier ist meine Geschichte>>
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