
Ich kenne sehr viele Mütter – als Mama und Lehrerin. Du auch. Über viele von ihnen kann ich mit Gewissheit sagen: Sie ist echt eine gute Mutter. Eine von diesen Müttern habe ich diese Woche getroffen.
Ich war schockiert, als sie erzählte, wie ihr eine Freundin das Gefühl gab, sie sei eine schlechte Mutter.
Ich dachte: Was? Das kann gar nicht sein. Sie ist toll.
Doch. Das kann sein – und wie.
Man kann schnell das Gefühl bekommen: Mit mir stimmt etwas nicht.
Ich erinnerte mich daran, wie ich vor vier Wochen mit meinem Sohn im Krankenhaus war. Die Ärztin sagte zu mir: „Ändern Sie doch die Ernährung.“
Ich dachte sofort: Klar. Sie hält mich für total bekloppt. Als hätte ich nicht schon alles Mögliche versucht, in den letzten Jahren stundenlang im Internet recherchiert und oft noch um 22 Uhr das Mittagessen für den nächsten Tag gekocht.
Ich fühlte mich, als hielte mich die Ärztin für eine „schlechte“ Mutter.

Ich fühlte mich wie eine schlechte Mutter, als mir gesagt wurde, dass meine Kinder so aktiv seien, weil ich ständig mit ihnen spiele. Ja, ich liebe es, mit meinen Kindern zu spielen – und sicherlich sind sie deswegen nicht so, wie sie sind.
Ich fühlte mich wie eine schlechte Mutter, als man zu mir sagte:
„Deine Kinder sollten schon längst alleine einschlafen. Warum bringst du sie überhaupt noch ins Bett?“
Ich fühlte diesen scharfen Stich der Schuld, als man zu mir sagte:
„Siehst du? Jetzt ist Lukas krank. Du hast ihm gestern keine Mütze aufgesetzt.“
Das Schlimmste an diesen Vorwürfen ist nicht dieser blitzartige, scharfe Schmerz, der einen bis in die Tiefe des Herzens durchdringt und einem unsichtbare Tränen in die Augen treibt.
Das Schlimmste ist, dass solche Sätze oft von Menschen kommen, die uns nahestehen, oder von Lehrern, Ärzten und Therapeuten, von denen wir glauben, dass sie uns unterstützen.
Und genau deswegen denken wir intensiv darüber nach.
Deswegen brennen sich diese Sätze tief in unser Gedächtnis ein:
Stimmt es vielleicht?
Hätte ich etwas anders machen können?
Hätte ich dem Kind etwas anderes zu essen geben können?
Verwöhne ich mein Kind zu sehr?
Ich sollte strenger sein.
Ich war wohl nicht einfühlsam genug.
Genau diese Gedanken zeigen mir, dass man eine reflektierte Mutter ist. Eine Mutter, der nicht alles egal ist. Eine Mutter, die sich Mühe gibt.

Gleichzeitig spüren wir manchmal, dass die Tipps gar nicht so „böse“ gemeint waren, wie sie bei uns ankamen. Tatsächlich wollte man uns vielleicht unterstützen.
Man sah möglicherweise, wie schwer wir es haben. Man sah unsere Müdigkeit und wollte uns entlasten. Man sah, wie schwierig es sein würde, ein krankes Kind zu betreuen, wenn man am nächsten Tag auch noch arbeiten muss. Man wünschte uns am Abend ein paar Stunden Ruhe, anstatt am Kinderbett zu sitzen.
Man wollte uns unterstützen – tat es aber nicht.

Manchmal treffen sich Sender und Empfänger einfach nicht. Die Botschaft kommt nicht an. Als ob der eine eine Schwarzwälder Kirschtorte schicken wollte – und Spinatnudeln angekommen sind.
Woran liegt das?
Ich glaube, dass wir manchmal einfach zu unterschiedlich sind – in unserer Art, in unserem Kommunikationsstil, in unseren Lebenserfahrungen. Wir finden einfach nicht zueinander.
Ich fühle mich oft angegriffen, wenn jemand schroff redet. Ich denke sofort: Ich würde ja so mit keinem reden. Aber letztlich liegt es auch an mir, wie ich die Information einordne.

Kritik kann unser Selbstbild als Mutter zerstören. Vor allem dann, wenn wir uns in einem Umfeld befinden, in dem wir wenig Bestärkung bekommen und selbst innerlich schwer tun. Und trotzdem kann unser Selbstbild nur dann zerstört werden, wenn wir es zulassen.
Denn eine gute Mutter macht sich Gedanken.
Sie hinterfragt sich. Sie möchte es besser machen. Genau deshalb treffen uns kritische Bemerkungen oft so tief.
Und trotzdem sollte in uns etwas stabil bleiben. Etwas, das sagt:
Ich weiß, dass ich eine gute Mutter bin.
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